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Es ist nicht zu viel behauptet, wenn ich sage, dass neun von zehn Personen, die meine Bootwerkstatt besuchen, tief einatmen, lächeln und genau dies ausrufen, nämlich ”hier riecht es gut”. Viele folgen dem Laut des Niethammers, und mindestens 2000 –3000 Sommergäste geniessen den Geruch von Hobelspan und Holzteer. Viele erinnern sich an ihre Kindheit, Bootspflege und Frühlingsstimmung. Andere hatten einen Vater oder Grossvater der Bootsbauer war und erleben erneut die Ansicht neugehobelter Bootplanken mitten in einem grossen Haufen Span. Für wieder andere sind die Gerüche fremd und neu, aber doch ist es so, als ob die Sinne etwas Uraltes wiedererkennen, etwas Erregendes aber gleichzeitig Beruhigendes. Es ist schon eigenartig mit alten Booten. Sie tragen in sich unglaublich viele Erinnerungen. Nicht nur vom Zuhause und von Menschen, die nicht mehr leben, sondern auch den Geruch von Seetang und Teer, Seewind und Salzwasser. Erinnerungen ans Angeln, wenn die Fische beissen, die Freude am Rudern, wenn das Boot leicht über die Wellen tanzt.... Da ist es ein trauriger Anblick, wenn man das Boot seiner Kinder- und Jugenderinnerungen mit zerbrochenem Dollbord, gerissenen Planken oder Fäulnissschäden am Kiel wiederfindet. Aber so etwas lässt sich reparieren. Für viele, die mit alten Booten zu meiner Werkstatt kommen, ist das Motiv nicht nur das Boot zu bewahren, sonder auch die Erinnerungen der Kindheit. ”Der Grossvater kaufte das Boot ...für 300,- Kronen!” Es kostet mehr es zu reparieren, aber es soll für die Nachkommen bewahrt werden. Holzboote haben eine Seele, sagen einige. Das ist möglich. Ich überlege manchmal, ob man später mit Plastikbooten ankommt, um sie zu reparieren ”weil das Boot der Grossmutter gehört hat”. Eine zeitlang war ich beim Nordlandsmuseum angestellt als Handwerker, Aufsichtsmann und Leiter für den Alten Handelsort Kjerringøy. Die Arbeit war vielseitig. Gabäude, Boote und tausende von Gegenständen sollten gepflegt und für die Zukunft bewahrt werden. Der Handelsort sollte auf eine lebendige und geschichtlich korrekte Weise für ein ständig wachsendes Publikum presentiert werden. Nach 12 Jahren sah ich ein, dass die Arbeit so umfangreich war, dass es nur wenig. Gelegenheit gab, mich in meine grosse Leidenschaft zu vertiefen, nämlich Boote bauen. Eine lebenswichtige Entscheidung wurde gefasst! Heute bin ich als Bootsbauer und selbstständiger Unternehmer etabliert. Meine Bootswerkstatt hat zwei Abteilungen. Im ”Zahlfjøsen” miete ich ein Lokal für den Bau von kleinen Nordlandsbooten und anderen Ruderbooten. Daneben habe ich eine traditionelle Bootswerkstatt errichtet zum Bau von Nordlandsbooten über 6m. In dieser Werkstatt kann ich auch kleine Blockhäuser bauen, ein Handwerk, das viel mit dem Bootsbau gemein hat. Ich erkläre gern meinen Besuchern den Bau und die Anwendung von Nordlandsbooten. Die Fachausdrücke und Bezeichnungen in Verbindung mit diesen Booten ist in Gefahr in Vergessenheit zu geraten. Aber wenn die Besucher den Unterschied zwischen ”Færing” und ”Fembøring” wissen, wenn sie Kjerringøy verlassen, ist jedenfalls etwas vom alten Wissen weitergegeben. Wenn die Besucher genauso zärtlich ihre Geliebten streicheln, wie sie meine Boote streicheln, dann haben viele es gut im Leben. Herzlich willkommen in Kjerringøy und der Bootswerkstatt von Ulf Mikalsen.
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